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Medizin-Nobelpreis I (1950): Die Erforschung des Cortison

Geschrieben von gelenkgesund - 23. Februar 2012

Cortison wurde 1948 mit anfänglich spektakulärem Erfolg einer jungen US-Amerikanerin injiziert, die an starkem Gelenkrheumatismus litt.

Dieser Sensations-Erfolg bei einer Krankheit, von der man in der Schulmedizin bis dahin glaubte, daß man höchstens Stillstand, aber keine Besserung erreichen könne, sorgte für weltweites Aufsehen. Das Nobel-Kommittee der schwedischen Akademie der Wissenschaften verlieh daraufhin zwei Jahre später den unmittelbar beteiligten Wissenschaftlern, dem Biochemiker Edward Calvin Kendall, dem Chemiker und Botaniker Tadeus Reichstein und dem Mediziner Philip Showalter Hench den Medizin-Nobelpreis.

Dies war das erste Mal, daß eine Behandlungsmethode gegen die rheumatoide Arthrits für nobelpreiswürdig befunden wurde.

Der Weg zum Medizin-Nobelpreis für Cortison in der Rheumatherapie

Die Substanz, die später als Cortison bezeichnet werden sollte, wurde von mindestens drei rivalisierenden Arbeitsgruppen in den Jahren 1935 bis 1940 mehrfach unabhängig voneinander aus Körperflüssigkeiten bzw. -gewebe isoliert und untersucht.

Die „compound F“ von Oskar Wintersteiner

Oskar Wintersteiner wurde in Österreich geboren, wanderte aber 1926 zu weiteren Forschungen an der renommierten Johns Hopkins University in Baltimore in den USA aus. Er entdeckte dort 1928, daß das bereits 1916 von Nicolae Paulescu entdeckte Insulin (usprünglich von seinem Entdecker Pankrein genannt), ein Eiweißkörper ist.

Die Substanz F war, wie sich später herausstellte, identisch mit Cortison, wie es später nach seinem Fundort in der Nebennierenrinde benannt wurde.

Philip Hench injiziert Cortison und lindert Rheumaschmerzen

Philip Showalter Hench promovierte 1920 an der Universität Pittsburgh und ging später zur berühmten Mayo Klinik, deren Abteilung für Rheumaerkrankungen er bald vorstand. Er entdeckte, daß Gelbsucht bei Arthritis-Patienten zu einer Besserung der Beschwerden führen kann und daß eine Schwangerschaft ähnliche Wirkungen auslösen kann.

Er und Edward Calvin Kendall beschlossen, dessen Substanz E, die sich später als identisch mit Reichsteiners Substanz F als das spätere Cortison herausstellen sollte, an Arthritis-Patienten auszuprobieren:

Ein zufälliges Gespräch mit E. Kendall 1940 ließ die Frage aufkommen, ob nicht das von Kendall erforschte Nebennierenrindenhormon die gesuchte Substanz sein könnte. Ein Therapieversuch wurde vereinbart … Am 26.07.1948 wurde Mrs. G., die an einer schweren immobilisierenden chronischen Polyarthritis litt, in die Mayo-Klinik aufgenommen. Alle verfügbaren Mittel konnten ihren Zustand nicht bessern. … Nach einer Woche Behandlung nahm sie ein Taxi, fuhr in die Stadt und machte drei Stunden lang Einkäufe. Das Cortison-Wunder war geschehen.

Reichstein wurde ebenfalls als Dritter mit in die Nobelpreis-Nominierung aufgenommen, aber

Der vierte im Bunde ging leer aus

Oskar Wintersteiner hätte eigentlich den Nobelpreis für Medizin und Physiologie ebenfalls verdient gehabt, denn seine Leistungen waren ja keinesfalls geringer als etwa die Reichsteins, aber Nobels Testament erlaubt für diesen Preis nur maximal drei auszuzeichnende Empfänger je Jahr der Verleihung.

Das spektakuläre Experiment des Dr. Hench, Cortison bei rheumatoider Artrhritis zu injizieren, begründete zusammen mit dem relativ kurz darauf verliehenen Medizin-Nobelpreis auch den internationalen Ruf der Rheumatologie-Abteilung der Mayo-Klinik. (Siehe auch unseren früheren Beitrag über Cortison/Cortisol.)

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