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Die Aetiologie der rheumatoiden Arthritis, oder: woher kommt das Rheuma?

Geschrieben von gelenkgesund - 20. Februar 2012

Ist die rheumatoide Arthritis schlicht „Schicksal“? Wird sie von unseren Erbanlagen vorherbestimmt? Oder kann man sie verhindern, weil man bestimmten Ursachen bewußt ausweichen kann?

Die herrschende Meinung in der Medizin weltweit besagt, daß die

Ursachen der Erkrankung … bislang weitgehend ungeklärt

(Wikipedia) sind:

Es wird eine autoimmune Ursache angenommen, bei der körpereigene Substanzen, z. B. der Gelenkknorpel, von Zellen des Immunsystems angegriffen werden. Krankheitsauslösend können, so eine wissenschaftliche Hypothese, Viren und Bakterien sein, ähnlich wie es bei der Pathogenese des rheumatischen Fiebers bereits beschrieben wurde. Neuerdings wird auch der Zusammenhang zwischen einer Parodontitis-Erkrankung und dem Entstehen einer rheumatoiden Arthritis diskutiert. Ein genetischer Einfluss unter anderem durch Zwillingsstudien wurde mehrfach nachgewiesen. RA ist demnach mit bestimmten MHC- bzw. HLA-Allelen assoziiert.

Man tappt also noch weitgehend im Dunkeln, aber ein paar spannende Forschungsergebnisse gibt es dennoch.

Die sog. Autoimmun-Hypothese der chronischen Polyarthritis

Unter dem Titel „Arthritis: Schmerzende Hände als Frühwarnzeichen“ schreibt der Medical Observer:

Bei manchen Menschen schmerzen über Wochen die Hände ohne sichtbare äußere Verletzung oder einer anderen sichtbaren Ursache. … Die Ursache dafür ist eine Autoimmunerkrankung. Das Immunsystem beginnt damit, gegen körpereigenes, gesundes Gewebe Antikörper zu bilden.

Wohin man schaut, über eines ist man sich in der medizinischen Literatur weitgehend einig: rheumatoide Arthritis entsteht, weil der Körper sich selbst anzugreifen beginnt, wie sonst nur fremdes Gewebe oder Bakterien.

Hier wendet sich also das eigene Immunsystem gegen den Körper, so als gelte es, einen „Feind“ zu bekämpfen.

Dabei spielen offenbar die schon im Wikipedia-Artikel erwähnten MHC-Gene, auch Haupthistokompatibilitätskomplex genannt, eine Rolle.

Während die möglichst große Ähnlichkeit der HLA-Gene zwischen Organspender und -empfänger für die Gewebeverträglichkeit bei Organtransplantationen eine entscheidende Rolle spielen, gibt es jedoch bei der Rolle der Histokompatibilitäts-Faktoren bei der Entstehung der Rheumatoidarthritis große Meinungsverschiedenheiten.

Mal werden solche Gene verstärkt bei bestimmten Typen von Rheumatikern angetroffen (Disease-associated human histocompatibility leukocyte antigen determinants in patients with seropositive rheumatoid arthritis …), mal finden Studien dagegen keinen solchen Zusammenhang (Histocompatibility antigens and rheumatoid arthritis):

No difference was found between controls and patients with RA either in antigen frequency or quantity of the HL-A antigens on the lymphocytes. – Es wurden keine Unterschiede zwischen der Kontrollgruppe und den RA-Patienten festgestellt, weder hinsichtlich der Antigenhäufigkeit auf den Lymphozyten, noch deren Menge.

(Übersetzung gelenkgesund)

Hinsichtlich Enthesitis-assoziierter Arthritis schreibt dagegen die GKJR – Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie:

Die Gruppe der Arthritis mit Enthesitisneigung umfasst in der Mehrzahl große Jungen, die das Histokompatibilitäts-Antigen B27 aufweisen.

(Enthesitis oder Enthesiopathie ist die Entzündung der Sehnenansätze am Knochen, zu denen neben möglichen rheumatoiden Erkrankungen z.B. auch der sog. Tennisarm gehört.)

Während über die Frage, welche Faktoren den Ausbruch einer Rheumatoidarthritis begünstigen, weitgehende Einigkeit herrscht, z.B. Rauchen und andere Risikofaktoren wie z.B. Ernährung (insbesondere scheint ein Zusammenhang zwischen der Menge roten Fleisches, die ein Mensch zu essen pflegt und dem Risiko, an rheumatoider Arthritis zu erkranken, zu bestehen), ist die Frage, was die Rheumatoidarthritis dann aber konkret auslöst, bis heute im Wesentlichen unbeantwortet geblieben.

In der Ernährung scheint vor allem die Arachidonsäure eine Rolle zu spielen, der man nachsagt, entzündungsfördernd zu wirken.

Zu der „unendlichen Geschichte“ der Rheumatoid-Arthritis kann man also nach gängiger Meinung der medizinischen Forschung bisher nur sagen: woher sie genau kommt, weiß man nicht. Wenn sie „da ist“, dann geht sie i.d.R. mit Gelenkentzündungen einher, die jedoch nicht immer mit entsprechenden Rheumafaktoren im Blut gekoppelt scheinen, was sowohl die Diagnose oft erschwert, als auch die Frage aufwirft, ob es sich auch in disen Fällen um eine echte Autoimmunerkrankung handelt.

Was man dagegen epidemiologisch recht eindeutig hat feststellen können, ist, daß bestimmte Ernährungsgewohnheiten, Alkoholgenuß, Rauchen und (u.a. berufsbedingter) Streß den Ausbruch der chronischen Polyarthritis/rheumatoiden Arthritis begünstigen können. Was man noch nicht weiß, ist, warum nicht alle Raucher, die sich ungesund ernähren und Streß am Arbeitsplatz ausgesetzt sind, an rheumatoider Arthritis erkranken oder umgekehrt, warum nicht alle Menschen, die es geruhsamer angehen lassen und sich gesund ernähren, von der Rheumatoidarthritis verschont bleiben.

Auch weiß man, daß arthritische Beschwerden nicht bei allen Erdenvölkern gleich gehäuft auftreten.

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