Leiden Sie an rheumatoider Arthritis? Ein Leitfaden für “Unentschlossene”
Geschrieben von gelenkgesund - 6. Oktober 2011
Das Internet und insbesondere die Foren von Rheuma-Betroffenen sind voll der Klagen von Patientinnen und Patienten, die z.T. Jahre auf die richtige Diagnose ihrer rheumatischen Erkrankung warten mußten.
Bei vielen beginnt die rheumatoide Arthritis mit relativ unspezifischen Schmerzen, Gliedersteifigkeit, “Reißen” oder anderen schmerzlichen Symptomen. Jedes einzelne davon kann auch andere Ursachen haben und kommt in der hausärztlichen Praxis auch bei anderen Erkrankungen vor.
Es ist daher nicht unbedingt ein Wunder und nicht in jedem Fall vorwerfbar, wenn der Allgemeinarzt nicht bei jedem “Zipperlein” auch konsequent gleich die Möglichkeit erwägt, es könnte sich um eine beginnende chronische Polyarthritis handeln.
Unverzeihlich dagegen ist es schon, wenn Patienten dann z.T. über Jahre falsch behandelt oder gar zu “Simulanten” und “psychiatrischen Fällen” abgestempelt werden.
Abhilfe kann hier für mündige Patienten das Selbststudium entsprechender Fachliteratur schaffen; in den folgenden Abschnitten geben wir eine kurze Einführung.
Allgemein zugängliche Literatur zu rheumatoider Arthritis
Die folgenden Literaturangaben beziehen sich ausschließlich auf Literatur, die in Google Books oder als PDF (e-Books) einfach “vom Sofa aus”, d.h. über das Internet zugänglich ist.
Wie kann man an Rheuma-Fachliteratur herankommen?
Wer unter rheumatoider Arthritis leidet, dem ist ein Besuch in einer u.U. weit entfernten Universitätsbibliothek kaum zuzumuten, noch weniger aber, dort mühsam hinzugehen nur um festzustellen, daß das gewünschte Buch dann ausgeliehen ist und man vier Wochen oder länger darauf warten und es dann erneut dort nach einer “halben Weltreise” abholen müsse (vom Zurückbringen ganz zu schweigen).
Zum Glück aber sind genügend Online-Ressourcen verfügbar, um sich einen guten ersten Überblick zu verschaffen.
Die folgenden Literaturangaben sollen den Arztbesuch und dessen berufliche Erfahrung und Ausbildung nicht ersetzen – es geht, wie eingangs erwähnt darum, den “mündigen Patienten” zu stärken und denen zu helfen, die bisher nur eine unzureichende Diagnose haben oder sich dessen unsicher sind.
Medizinische Rheuma-Literatur in Google-Books
Im Folgenden führen wir solche Literatur auf, die in Google Books im Volltext oder zumindest zu großen Teilen angezeigt wird. Dies erkennen Sie bei der Google-Buch-Suche am Hinweis “Vorschau” (Preview) bzw. “Lesen” unter der Ergebnisanzeige.
Alle anderen Bücher werden nur mit Titel und bibliographischen Angaben angezeigt, der Inhalt jedoch bleibt verborgen (auch wenn Google ihn gescannt hat, sonst könnte es nicht auf einzelne Seiten im Suchergebnis verweisen). Hier muß Google “passen”, weil der Verlag bzw. Urheber die Inhaltsanzeige nicht gestattet haben. Es bleibt nur der Weg zu einer Bibliothek, die das Buch besitzt oder die Fernleihe von dort. Dazu muß man nicht unbedingt zu einer Universitäts- oder Fachbibliothek – auch die städtischen oder Stadtteilbibliotheken können das Buch i.d.R. gegen Gebühr über den Fernleiheverbund besorgen.
Und man kann sich ein Buch natürlich auch übers Internet oder seine übliche Buchhandlung kaufen. Aber auch dann kann es vorteilhaft sein, sich vorher über die Vorschau der u.g. Werke einen ersten Eindruck zu verschaffen.
Differential-Diagnose der rheumatoiden Arthritis
Oft ist anfänglich gar nicht klar, ob es sich bei den Beschwerden um rheumatoide Arthritis (chronische Polyarthritis) handelt. Auch andere Erkrankungen können ähnliche Beschwerden hervorrufen.
Der Teil der Diagnostik, der sich damit befaßt, alle anderen Erkrankungen systematisch auszuschließen, so daß am Ende die einzig “richtige” übrigbleibt, nennt sich Differential-Diagnostik.
Die richtige Diagnose ist schließlich Grundlage der angemessenen Therapie. Eine “kunstgerecht” ausgeführte Therapie am falschen Krankheitsbild kann schließlich schlimmere Auswirkungen haben als die Grunderkrankung selbst.
Jedenfalls führt sie bestenfalls zu einer Verschleppung der Symptome und letztlich dazu, daß jeder Tag, an dem eine Erkrankung unerkannt bleibt, die Heilungschancen auch bei adäquater Therapie mindert.
Wer sich daher “fit” genug fühlt, sich mit den entsprechenden medizinischen Fachausdrücken zu befassen und sich einen Überblick über differentialdiagnostische Verfahren und Aspekte bei der rheumatoiden Arthritis verschaffen will, der kann z.B. zu Differentialdiagnose rheumatischer Erkrankungen (Springer 1997) von Wolfgang Müller und Henning Zeidler greifen.
Wie formuliert das Buch Die klinisch-rheumatologische Untersuchung derselben beiden Autoren (Springer 1998) das Dilemma der Rheuma-Diagnostik doch so treffend:
Obwohl das Stütz- und Bewegungsorgan das größte Organsystem des menschlichen Körpers ist, das von zahlreichen Erkrankungen betroffen werden kann, wird ihm bei der Ausbildung des Arztes nur relativ wenig Beachtung geschenkt.
Zum diagnostischen Umfang und der nötigen interdisziplinären Herangehensweise bei chronischer Polyarthritis führen die Autoren aus:
Neben der Untersuchung des Bewegungsapparats ist bei allen rheumatischen Erkrankungen, insbesondere bei entzündlich-rheumatischen Affektionen, eine internistische, neurologische, dermatologische, ophthalmologische und nicht selten auch psychiatrische Untersuchung erforderlich, da es einmal im Rahmen solcher Prozesse zu Affektionen verschiedener Organsysteme kommen kann, zum anderen aber auch Erkrankungen insbesondere der inneren Organe, der Nerven und psychischen Affektionen häufig rheumatische Krankheitsbilder auslösen.
Wie beginnt das Krankheitsbild der rheumatoiden Arthritis (chronischen Polyarthritis)?
Dies und mehr in Innere Medizin in Frage und Antwort (Georg Thieme Verlag, 2004, Seite 313) von Hermann Sebastian Füeßl, der an anderer Stelle mal ausgeführt hat:
“Behandlungen sind am erfolgreichsten, wenn sie auf eine gemeinsame Entscheidung von Arzt und Patient beruhen”, sagt Füeßl, der sich in der Stiftung Zuhören engagiert. Da 30 bis 40 Prozent der Erkrankungen somatoform seien – also seelische Ursachen haben, die sich in körperlichen Symptomen ausdrücken -, sei nichts so wichtig wie die Kunst des Zuhörens.
Ein weiteres Werk zur Differentialdiagnose der Rheumatoidarthritis ist Differenzialdiagnose rheumatischer Erkrankungen von Henning Zeidler und Beat A. Michel, Zitat:
Die hohe Zahl möglicher Differenzialdiagnosen erschwert die Diagnose rheumatischer Erkrankungen. Dabei ist eine korrekte Diagnose Voraussetzung für die richtige Therapie.
Eine kurze Übersicht der Klinischen Kriterien der Rheumatoidarthritis findet sich auch in Skeletterkrankungen: Klinisch-radiologische Diagnose und Differentialdiagnose von Jürgen Freyschmidt (Seite 760).
Interessant z.B. auch der Krankheitsverlauf aus Seite 25 des Buches Rheumatologie aus der Praxis: Kurzlehrbuch der entzündlichen Gelenkerkrankungen mit Fallbeispielen von Rudolf Puchner (Springer 2010).
Ausgewählte Bücher zur Diagnose der rheumatoiden Arthritis
Im Folgenden noch kurz einige wesentliche Leitfäden zur Diagnose der rheumatoiden Arthritis/chronischen Polyarthritis:
Interdisziplinäre klinische Rheumatologie von Henning Zeidler, Springer, 2001, vgl. z.B. den Abschnitt “Seropositive chronische Polyarthritis” ab Seite 617.
Die Innere Medizin: Referenzwerk für den Facharzt herausgegeben von Wolfgang Gerok (Schattauer Verlag, 2007).
Bildgebende Diagnostik der Hand hg. von Rainer Schmitt (Georg Thieme Verlag, 2008 – 590 Seiten), Abschnitt “Rheumatoide Arthritis” Seite 408.
Radiologische Diagnostik der Knochenkrankheiten von Claus-Peter Adler, G. W. Herget, Markus Uhl, z.B. “Skelettszintigraphie zum Nachweis entzündlicher Gelenkerkrankungen” (Seite 267, Springer, 2004).
Rheumatologie: Diagnostik, Klinik, Therapie von Hans-Jürgen Hettenkofer (Georg Thieme Verlag, 2003).
Sozialmedizinische Begutachtung für die gesetzliche Rentenversicherung vom Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (Springer, 2003).
Die Ärztliche Begutachtung: Rechtsfragen, Funktionsprüfungen, Beurteilungen von Jurgen Fritze (Seite 441, Springer, 2008).
Literatur zur Rheumadiagnostik als eBook bzw. PDF-Dateien
Hier noch einige Hinweise zu Fundstellen, die online im PDF-Format aufgerufen werden können: Rheumatoide Arthritis: Diagnose und Therapiemonitoring der Akademie für Ärztliche Fortbildung und der synlab Labordienstleistungen
Rheumatoide Arthritis: Diagnose, Assessment und Qualitätskontrolle von J. Bernhard, H.-R. Ziswiler, P. M. Villiger (Universität Basel) die zu den gängigen Rheumaklassifikationen klarstellen, daß diese eben nur Befunde ex post sind und keine Diagnosekriterien (!):
Es gibt keinen pathognomonischen Befund der rheumatoiden Arthritis. Der Rheumafaktor ist zwar typisch, aber nicht beweisend. Da er nur in 50% der Fälle initial vorhanden ist und auch bei verschiedenen anderen Erkrankungen im Serum nachweisbar wird, lässt er uns im klinischen Alltag oft im Stich. In dieser Situation ist man versucht, die vom American College of Rheumatology (ACR) formulierten Kriterien zu Rate zu ziehen (Tabelle 1). Hier handelt es sich aber um Klassifikations- und nicht um Diagnosekriterien. Das heisst, dieser Kriterienkatalog wurde nicht für die Diagnostik beim individuellen Patienten formuliert, sondern vielmehr zur einheitlichen Klassifikation zwecks Vergleichbarkeit von Daten und zur Durchführung von Studien.
Serologische Diagnostik der rheumatoiden Arthritis von Karl Egerer, Eugen Feist, Gerd-Rüdiger Burmester gibt
… einen Überblick über die moderne serologische Diagnostik der rheumatoiden Arthritis (RA) mittels der Bestimmung von Antikörpern gegen citrullinierte Peptid/Protein-Antigene (ACPA). Des Weiteren machen die Autoren Vorschläge zur Differenzial- und Stufendiagnostik der RA, die besonders auf die Erfordernisse einer Frühdiagnostik zur Vermeidung irreparabler Gelenkschäden eingehen.
Labordiagnostik Rheumatologischer Erkrankungen von Dr. med. Bernhard Schlüter, Zentrallaboratorium, Universitätsklinikum Münster – Institut für Klinische Chemie und Laboratoriumsmedizin bietet einen guten Kurzüberblick der Diagnose-Verfahren bei chronischer Polyarthritis und führt aus:
… gezielte Therapie erfordert exakte Artdiagnose des Rheumas.
Rheumatoide Arthritis – Günstigerer Verlauf durch Frühtherapie führt u.a. folgende Merksätze zur rheumatoiden Arthritis auf:
- Das klassische Bild des symmetrischen Gelenkbefalls findet sich selten bei Frühformen der rheumatoiden Arthritis.
- Der begründete Verdacht auf eine frühe RA besteht bei eindeutig objektivierbaren Gelenkschwellungen, die in mindestens zwei Gelenken vorhanden sind und mehr als sechs Wochen dauern.
- Ein fehlender Nachweis von RF oder AntiCCP schliesst die Diagnose einer RA nicht aus!
Arthritis – Abklärung und Therapie von Dr. Adrian Ciurea bietet eine kurze Überblicks-Präsentation auch der Diagnostik der rheumatoiden Arthritis.
Demnächst werden hier die Folgen der (richtigen) Diagnostik, d.h. der Weg der Standardtherapie u.a. beleuchtet, vgl. z.B. Leitliniengerechte strukturierte Versorgung der frühen rheumatoiden Arthritis von H.E. Langer, Evang. Krankenhaus Düsseldorf, mit einem bebilderten Überblick.
Eine Auswahl unserer Gelenkgesund!™ Angebote:
| Gelenkgesund!™ Kompakt |
Gelenkgesund!™ Intensiv-Training | Gelenkgesund!™ Training wöchentlich |
|---|---|---|
![]() |
![]() |
|
Die Gelenkgesund!™ Methode
Meine Gelenkgesund!™ Einzeltermine
Gelenkgesund!™ Kompaktseminar – Wie ich mich selbst heile
Gelenkgesund!™ Seminar H1: Verstehen
Gelenkgesund!™ Seminar H2: Anwenden
Gelenkgesund!™ Seminar H3: Trainieren
Gelenkgesund!™ Seminar H4: Intensivtraining
Gelenkgesund!™ Seminar V1: Vorbeugen durch Verstehen
Gelenkgesund!™ Seminar V2: Vorbeugen durch Anwenden
Gelenkgesund!™ Seminar V3: Vorbeugen durch Trainieren
Gelenkgesund!™ Seminar V4: Vorbeugen Intensivtraining
Gelenkgesund!™ Wie ich Gelenkentzündungen vorbeuge – Kompaktseminar V5
Die Gelenkgesund!™ Methode in der physiotherapeutischen Praxis




