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Cortison, Cortisol in der Medizin – Geschichte eines Siegeszuges

Geschrieben von gelenkgesund - 15. September 2011

Wohl selten hat ein Medikament, das letztlich auf einer körpereigenen Substanz beruht, solch breite therapeutische Anwendung gefunden wie das “Cortison”.

Bekannt und berühmt wurde der Stoff, nachdem er bereits 1936 entdeckt (Kendall, Wintersteiner, Reichstein) und 1946 auch im Labor vollsynthetisch hergestellt worden war, durch die erste spektakuläre Therapie einer jungen US-Rheumatikerin, die sich trotz schwerem Gelenkrheumatismus nach kurzer Zeit wieder schmerzfrei bewegen konnte.

Damit begann der Siegeszug einer der am meisten gelobten oder, je nach Standpunkt, verteufelten Substanzen der modernen Pharmakotherapie.

Ein Arzt der Mayo-Klinik, Phillip Hench begann sich 1928 mit der rheumatoiden Arthritis (RA) zu beschäftigen und fand mehrere Dutzend Fälle, in denen sich diese dramatisch gebessert hatte, wenn RA-Patienten zusätzlich an bestimmten anderen Krankheiten litten.

Zuerst konzentrierte er sich auf Fälle, in denen z.B. Gelbsucht zu einer Besserung der Rheumatoid-Arthritis geführt hatte und versuchte den Effekt durch Gabe bestimmter lebereigener Substanzen nachzuahmen.

Als das wenig Erfolg brachte, sah er sich nach weiteren Reaktionen um und fand u.a. heraus, daß sich die Symptome der rheumatoiden Arthritis oftmals während einer Schwangerschaft, bei zufälligen Infektionen und im Zuge der Belastungen durch Operationen besserten.

Er tippte daher auf eine Substanz, die der Körper bei solchen Gelegenheiten vermehrt ausschüttete.

Die bisherige Rheuma-Therapie hatte u.a. auf chirurgische Operationen gesetzt, die meist zu einer vorübergehenden Besserung führten.

Hench und andere schöpften Verdacht, daß der Erfolg weniger auf die Operation als solche, als darauf zurückzuführen sein könnte, daß die operationsbedingten Verletzungen -als Begleiterscheinung- zu einer vermehrten Ausschüttung von z.B. Hormonen führten, und daß der entzündungshemmende Effekt vielleicht eher daher rührte.

Er suchte nach möglichen Kandidaten und stieß auf die Nebennieren als möglichen Ausschüttungsort.

Er fand die Substanzen in den von Edward Kendall (mit) entdeckten Kortikosteroiden. Kortison wurde bei verschiedenen Erkrankungen ausprobiert, u.a. dem Asthma oder Lupus u.a.

Hench als Mediziner und Kendall und Reichstein als Entdecker der Nebennierenrinden-Hormone erhielten für ihre bahnbrechenden Forschungen bereits 1950 den Nobelpreis für Medizin

Nun war das Cortison in der Medizin als Therapeutikum etabliert, wenn auch nur als symptomatisch wirkend, d.h. es heilt nicht, sondern mildert “nur” die Beschwerden.

Nachdem Harvey Cushing 1932 bei Patienten mit Hirnanhangdrüsenkrebs das später nach ihm benannte Cushing-Syndrom entdeckt hatte, war eine Krankheit entdeckt, die den Cortison-Nebenwirkungen erstaunlich ähnelte.

Der Symptomenkomplex geht auf die vermehrte Ausschüttung von Substanzen aus den Nebennierenrinden zurück.

Die Nebenwirkungen einer Langzeit-Cortison-Therapie glichen denen des Cushing-Syndroms verblüffend, etwa das typische “Mondgesicht” u.v.a.

Dies führte zur Erforschung von Cortison-Analoga, von Substanzen, die möglichst die gleichen oder verbesserte entzündungshemmende Eigenschaften haben sollten, aber ohne die schwerwiegenden Nebenwirkungen des Cortisons.

Die bekanntesten dieser Therapeutika sind u.a. Prednison bzw. Prednisolon.

Ihnen werden wir uns neben dem klassischen Cortison und Cortisol in Folgebeiträgen zu Therapie und Nebenwirkungen von Corticosteroiden widmen.

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