Kontraindikationen – wann muß auf Methotrexat vollständig verzichtet werden?
Geschrieben von gelenkgesund - 11. September 2011
Von wenigen tragischen Unglücksfällen abgesehen kommen akute tödliche Vergiftungen durch Methotrexat oder durch dessen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln oder sonstigen Substanzen zum Glück selten vor.
Dennoch kann Methotrexat selbst nicht nur Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen mit anderen Substanzen zeitigen, es können auch im Patienten selbst liegende Gründe oder Vorerkrankungen Methotrexat-Gaben medizinisch unangezeigt sein lassen.
Kontraindikationen – wann muß auf Methotrexat vollständig verzichtet werden?
Zum einen gibt es medizinische Gegenanzeigen, die für jeden Patienten zutreffen können, bei dem diese Gründe vorliegen:
Medizinische Gegenanzeigen bei Methotrexat-Therapie
Schwangere dürfen auf keinen Fall Methotrexat einnehmen (es sei denn im Rahmen eines gewollten Schwangerschaftsabbruches), auch nicht Männer oder Frauen mit Kinderwunsch.
Wer ein Kind zeugen will, muß Methotrexat spätestens drei, besser sechs Monate vor einer geplanten Empfängnis vollständig absetzen.
Weitere Patienten-Gruppen, für die eine Methotrexat-Therapie ungeeignet sein kann:
- Menschen mit Blutkrankheiten
- Patienten, bei denen HIV/AIDS diagnostiziert wurde
- Menschen mit (akuten) Magengeschwüren
- Patienten, die an Blutarmut leiden
- das die Leber zusätzlich belastende Methotrexat verbietet sich bei Leberzirrhose
- Gelbsucht (Hepatitis) zählt natürlich dann ebenso dazu
- Bei abnormaler Leber oder Nieren ist zumindest Vorsicht geboten
- Wer an ansteckenden Krankheiten leidet, sollte u.U. auch kein Methotrexat erhalten.
In der Person oder Genetik des Patienten liegende Kontraindikationen
Wer auf Alkohol (“Bier, Wein, Schnaps”) nicht verzichten mag, ist für eine Methotrexat-Therapie nicht geeignet.
Da Methotrexat einen bestimmten Einnahmerhythmus erfordert, muß ein Patient zudem hinreichend zuverlässig sein, da sowohl eine Unter- wie eine Überdosierung den Behandlungserfolg gefährden.
Dagegen scheint Methotrexat von Rauchern nicht anders vertragen zu werden wie von Nichtrauchern, allerdings sollte, wer schon wegen Tabakkonsums in Krebsbehandlung ist (Lungen-, Zungen-, Kehlkopf- oder Gaumenkrebs z.B.) sein Schicksal nicht herausfordern, indem er/sie weiter raucht.
Patientenspezifische Risiken gibt es auch durch deren genetische Grundausstattung, vgl. z.B.:
Eine Variante an Nukleotidposition 677 (c.677C>T) des MTHFR-Gens führt zu einer verminderten Enzymaktivität, mit 60% Restaktivität in der heterozygoten Form und 35% in der homozygoten Form. Vor allem Patienten, die die Variante in homozygoter Form tragen, können auf MTX-Gaben toxisch reagieren.
(Aus: MTX-Toxizität – MTHFR des Medizinisch-Genetischen Zentrums München)
Methotrexat wird zum größten Teil über die Nieren ausgeschieden.
Ist die Kreatinin-Ausscheidung zu gering, sollte daher i.d.R. keine Methotrexat-Gabe erfolgen.
Ebenso sollte Methotrexat nicht während der Stillzeit eingenommen werden, da es das Wachstum des Kindes gefährdet.
Die weiteren Beiträge in unserer
Reihe zur Methotrexat-Therapie:
Methotrexat in der Therapie der Rheumatoiden Arthritis – Wirkungen, Nebenwirkungen, Wechselwirkungen
Die Substanz Methotrexat – Chemie, Pharmakologie und Pharmakokinetik
Das Antirheumatikum Methotrexat und seine Nebenwirkungen
Methotrexat-Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten und Substanzen
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